Problem · Videos ungenutzt
„Wir produzieren Videos, nutzen den Content aber kaum weiter.“
Ein Imagefilm für einen fünfstelligen Betrag, einmal auf der Startseite, ein paar hundert Aufrufe bei YouTube. Ich kenne das von beiden Seiten – ich habe solche Filme gedreht. Das Material ist meistens gut. Es wird nur einmal benutzt, obwohl zwanzig Verwendungen drin wären.
Mögliche Ursachen
Warum das passiert – vier verschiedene Gründe.
01Das Video wurde für einen Ort gemacht
Ein Film, ein Format, eine Länge: drei Minuten quer für die Website. Für Instagram zu lang, für LinkedIn zu glatt, für die Stellenanzeige zu allgemein. Also bleibt er, wo er ist.
02Das Rohmaterial liegt beim Dienstleister
Ihr habt den fertigen Film, nicht die Aufnahmen. Jede neue Fassung kostet wieder Geld – also entsteht keine.
03Niemand hat Zeit, es zu verteilen
Schneiden, Untertitel, Formate, Texte dazu: Das ist Arbeit, die nach der Produktion niemand eingeplant hat. Der Film ist „fertig“, und damit ist das Projekt zu.
04Es gibt kein Thema, nur ein Image
Ein Film, der sagt „Qualität, Tradition, Innovation“, lässt sich nicht zerlegen, weil er nichts Konkretes enthält. Ein Video, in dem ein Monteur eine Frage beantwortet, ergibt fünf Clips.
Was ich zuerst prüfe
So finde ich heraus, welche Ursache es bei euch ist.
- 01Alle vorhandenen Videos auflisten: Wo laufen sie, wie oft wurden sie gesehen, wann zuletzt?
- 02Liegt das Rohmaterial bei euch – oder nur die fertige Datei?
- 03Im längsten Video drei Stellen markieren, an denen ein Mensch etwas Konkretes sagt. Gibt es die?
- 04Ein Clip, eine Woche, ein Kanal. Danach die Zahlen ansehen.
Maßnahmen
Was helfen kann – und was eher nicht.
Oft sinnvoll
Reels & KurzvideoAus einem Drehtag entstehen zehn kurze Videos, nicht eins. Die laufen über Wochen.RecruitingvideoWenn das Thema Bewerbungen sind: kurze Fassungen für Karriereseite, Anzeigen und Social Ads aus demselben Material.Kommt drauf an
UnternehmensfilmEin längerer Film kann sinnvoll sein – wenn von Anfang an mitgeplant wird, welche Clips daraus entstehen und wem die Aufnahmen gehören.Social AdsEin Clip, der organisch funktioniert, wird bezahlt an die Richtigen ausgespielt.LinkedInFür B2B: Ausschnitte von vierzig Sekunden mit Untertiteln, gepostet von der Geschäftsführung.Kombination
Was oft zusammen funktioniert: aus dem vorhandenen Material zehn Clips schneiden, mit Untertiteln, pro Woche einen veröffentlichen, die zwei besten bezahlt verlängern. Beim nächsten Dreh andersherum planen: erst die Clips, dann der lange Film – falls überhaupt.
Häufige Fehler
Was ich oft sehe – und wovon ich abrate.
- Den Imagefilm als Hintergrundvideo auf die Startseite legen, ohne Ton, ohne Aussage.
- Das Rohmaterial beim Dienstleister lassen.
- Ein Video pro Jahr drehen und dazwischen nichts.
- Jedes Video mit Logo-Intro und Musikbett beginnen – die ersten zwei Sekunden entscheiden.
Video
Zehn Videos aus einem Drehtag – wie das geht
Ein Drehtag ist teuer. Nicht, weil die Kamera läuft, sondern weil der Betrieb stillsteht, Leute Zeit opfern, alles vorbereitet wird. Umso erstaunlicher, dass daraus meistens ein einziges Video entsteht. Ich plane einen Drehtag andersherum: Erst die Fragen, die drei Leute beantworten – jede Antwort ist ein Clip. Dann die Arbeit, die man zeigen kann. Dann, falls es einen Ort dafür gibt, der lange Film. Aus einem Tag kommen so zehn Videos, die Wochen laufen – statt eines, das auf der Startseite verstaubt. Und das Rohmaterial gehört euch. Immer.
