Problem · Arbeitgeber wirkt altmodisch
„Unsere Konkurrenz wirkt als Arbeitgeber moderner.“
Meistens seid ihr nicht altmodischer als die anderen. Ihr zeigt es nur nicht. Die Konkurrenz hat Gesichter auf Instagram, drei Sätze von Azubis auf der Karriereseite und vierzig Bewertungen bei Google. Ihr habt ein Gruppenfoto von 2016. Das ist kein Kulturproblem, sondern ein Sichtbarkeitsproblem – und das lässt sich lösen.
Mögliche Ursachen
Warum das passiert – vier verschiedene Gründe.
01Niemand sieht, wie es bei euch wirklich ist
Keine Fotos aus der Werkstatt, kein Video, keine Namen. Für Bewerber seid ihr ein Logo und eine Adresse. Die Konkurrenz zeigt Leute – und Leute entscheiden sich für Leute.
02Die Karriereseite ist eine Stellenliste
Kein Wort dazu, wie ein Tag abläuft, was ein Azubi im ersten Jahr lernt, warum jemand seit zwölf Jahren da ist. Nur PDF, Pflichtfelder und „Wir freuen uns auf Ihre Bewerbung“.
03Was euch anders macht, steht nirgends
Vier-Tage-Woche, Firmenwagen für Monteure, keine Bereitschaft, Meister bezahlt – bei vielen Betrieben gibt es solche Punkte. Sie stehen nur nicht in der Anzeige, weil sie intern selbstverständlich sind.
04Die Spuren im Netz sind alt
Zwei kununu-Bewertungen von 2019, ein Instagram-Account mit dem letzten Beitrag zu Weihnachten, Google-Fotos vom alten Standort. Bewerber googeln – und ziehen Schlüsse.
Was ich zuerst prüfe
So finde ich heraus, welche Ursache es bei euch ist.
- 01Euren Betrieb googeln wie ein Bewerber: Firmenname plus „Jobs“, plus „Erfahrungen“. Was kommt auf der ersten Seite?
- 02Die Karriereseite am Handy öffnen: Gibt es ein einziges Foto mit echten Mitarbeitenden?
- 03Drei Leute aus dem Team fragen: Warum bist du noch hier? Die Antworten sind euer Material.
- 04Die Stellenanzeige neben die der Konkurrenz legen. Alles streichen, was bei beiden steht. Was bleibt?
Maßnahmen
Was helfen kann – und was eher nicht.
Oft sinnvoll
RecruitingvideoZwei Minuten echte Kolleginnen und Kollegen schlagen jede Imagebroschüre. Ein Drehtag.KarriereseiteDie Seite, auf der jede Maßnahme landet: Menschen, Alltag, konkrete Vorteile, Bewerbung in drei Minuten.Employer BrandingNicht als Workshop-Projekt, sondern als Liste: Was ist bei euch wirklich anders? Daraus werden Anzeige, Seite und Video.Kommt drauf an
Reels & KurzvideoWenn ihr dranbleibt: ein kurzes Video pro Woche aus dem Alltag. Wenn nicht, lieber lassen – ein toter Account wirkt schlimmer als keiner.Google UnternehmensprofilAktuelle Fotos, Antworten auf Bewertungen. Auch Bewerber lesen das.Social AdsSobald es Material gibt: das Video gezielt an Fachkräfte in der Region.Eher nicht zuerst
Kombination
Was oft zusammen funktioniert: erst die ehrliche Liste (was ist bei euch anders?), dann ein Drehtag für Video und Fotos, dann Karriereseite und Anzeigen daraus bauen. Reihenfolge einhalten – ohne die Liste wird das Video beliebig.
Häufige Fehler
Was ich oft sehe – und wovon ich abrate.
- Ein Imagefilm mit Drohne und Musik, in dem niemand spricht.
- Stockfotos mit lachenden Menschen in Schutzhelmen.
- Employer-Branding-Workshops über sechs Monate, während die Stelle offen bleibt.
- Instagram starten und nach drei Wochen aufhören.
Video
Warum ihr nicht altmodisch seid – sondern nur unsichtbar
Wenn ein Betrieb sagt, die Konkurrenz wirke moderner, schaue ich mir zuerst nicht den Betrieb an, sondern das, was ein Bewerber sieht: Google, Karriereseite, Instagram. Meistens ist der Betrieb in Ordnung. Er zeigt es nur nicht. Die anderen haben Gesichter, Sätze von echten Leuten, aktuelle Fotos. Das ist kein Kulturproblem – das ist in drei Schritten gelöst: aufschreiben, was bei euch wirklich anders ist, einen Drehtag mit den Leuten, die es sagen können, und eine Karriereseite, auf der das alles steht. Danach wirkt ihr nicht moderner. Ihr wirkt so, wie ihr seid.
